Innovation umsetzen

Minimum Viable Product (MVP) – reloaded

By 6. Oktober 2015 No Comments

Es gibt aktuell wohl wenig Themen im Bereich der agilen Geschäftsentwicklung, die mehr diskutiert werden, als die Entwicklung von sog. „Minimum Viable Products“ (MVP) nach Eric Ries. Und das ist auch gut so. Es gibt zahlreiche Definitionen, was ein MVP sein soll und wohl unzählige Interpretationen, wie und wozu man MVPs entwickelt. Wir haben über die Jahre unsere eigene Sicht auf MVPs entwickelt, die wir in einem früheren Blogeintrag beschrieben haben und in unseren Kundenprojekten erfolgreich einsetzen. Folgende drei Aspekte sind uns besonders wichtig:

  1. MVPs sollen helfen zu lernen: In der Theorie keine neue Weisheit. Für die Praxis aber schon. Selbst in Projekten, die nach agilen Vorgehensmodellen gestaltet sind, wird häufig genau dieser Aspekt vergessen: Zu lernen. MVPs sollen helfen, eigene Konzepte und Ideen systematisch zu hinterfragen, Hypothesen zu testen und daraus zu lernen, wie ein Geschäftsmodell verbessert werden kann. Doch die Vorstellung, eigene Konzepte selbst wieder in Frage zu stellen, ist verständlicherweise nicht einfach und gar kontraintuitiv. Stattdessen werden MVPs schlicht als eine dankbare Einladung verstanden, ein Produktkonzept „kleinzurechnen“ und sich einfach weniger Gedanken über fachliche Anforderungen zu machen („wir arbeiten doch agil“). Was dabei entsteht ist oft ein Produkt oder ein Service, das/der so minimal gestaltet ist, dass es/er a) weder die DNA des Geschäftsmodells repräsentiert, noch Kunden begeistert oder hilft zu lernen. Es ist einfach irgendetwas gebaut.
  2. MVPs sind keine Prototypen: Anders als Eric Ries unterscheiden wir fundamental zwischen MVPs und Prototypen. Prototypen sind Abbildungen von Produkten, Services oder Geschäftsmodellen, die den Zweck haben, a) unterschiedliche Vorstellungen zu neuen Ideen abzugleichen oder b) in frühen Phasen von Innovationsprozessen zu lernen und Unsicherheiten zu reduzieren. Prototypen werden nach der Zweckerfüllung entweder wieder verworfen oder ggf. später weiterentwickelt. Ein MVP erfüllt einen anderen Zweck: MVPs sind nach unserer Definition die erste Version des Marktangebots. Sie sollten die DNA des Geschäftsmodells 100% verkörpern und Kunden den Wert stiften, der ihnen versprochen wird. MVPs dienen dazu, ein Geschäftsmodell mit minimalem Aufwand aber unter realistischen Bedingungen zu testen – also die Hypothesen zu validieren, die mit einfachen Prototypen nicht zu klären sind. In der Regel müssen MVPs und die dazugehörigen Geschäftsmodelle soweit entwickelt sein, dass Kunden sogar abgerechnet werden können. Anders sind Hypothesen z.B. zur Preisbildung kaum zu evaluieren.
  3. MVPs erfordern Interdisziplinarität: Es ist auf den ersten Blick nicht ersichtlich, aber die Entwicklung von MVPs erfordert eine besondere Organisationsstruktur und Arbeitsweise, wie man sie in Unternehmen nur selten vorfindet. MVPs können nicht nach der klassischen Arbeitsteilung zwischen Strategie / Konzept und Umsetzung entwickelt werden. Da MVPs dazu gebaut werden, Hypothesen in Geschäftsmodellen zu testen, müssen die „Umsetzer“ verstehen, wie das Geschäftsmodell funktionieren soll und welche Hypothesen mit dem MVP adressiert werden müssen. Die „Strategen / Konzepter“ wiederum brauchen ein klares Verständnis, welche funktionalen Anforderungen umgesetzt und wie und welche Daten gesammelt werden sollten, um die DNA des Geschäftsmodells zu transportieren und relevante Hypothesen zu testen. Eine klassische „Abteilungsstruktur“ in Unternehmen oder die Trennung zwischen Strategieberatungen und Umsetzungsdienstleistern wird dem nicht gerecht.

Unser Tool zur Planung von MVPs können Sie sich hier im Blog laden.